November 1939 und 40er Jahre

"Still und unmerklich sind wir am 11. 11. 1939 in ein neues Vereinsjahr eingetreten ..." schrieb der SKG-Präsident Fleischmann am 6. Dezember in einem Rundbrief an die lieben Freunde, die zu einem großen Teil bereits im Kriege waren. Es folgten bis Mitte Januar 1945 insgesamt 28 Feldpostsendungen und -Briefe.

 

Bis Ende 1942 konnten noch kleine Gaben wie Sektdäumlinge, Zigarren und Zigaretten, kleine Broschüren und andere Grüße aus der Heimat versandt werden. Eine Versandliste aus dem Jahr 1940 weist 88 Adressen auf. Rund die Hälfte der nach letztem Vorkriegsstand 200 SKG-Mitglieder standen im Felde, an allen Fronten von Afrika bis Narvik. Als der Krieg endlich sein bitteres Ende gefunden hatte, waren 19 Mitglieder der Karnevalgesellschaft gefallen, 30 waren - im August 1946 - noch vermißt oder in Gefangenschaft.

 

Zentrale der SKG-Betreuung war ein Arbeitskreis, der sich regelmäßig mittwochs in der Fleischmann'schen Backstube oder bei Schorsch Hombach traf. Er hielt die Gesellschaft über alle bösen Zeiten hinweg zusammen, vervielfältigte die meist vom Präsidenten Fleischmann in München verfaßten Briefe und bewahrte den Fundus mit den Kostümen. Maria Fleischmann, Schorsch Hornbach, Hilde Sänger und andere „noch an der Heimatfront verbliebene“ SKG-Getreue verschickten regelmäßig Feldpostbriefe und, so lange es möglich war, kleine Päckchen mit Liebesgaben an alle Fronten. Die dankbaren Antwortbriefe füllen zwei dicke Ordner im SKG-Archiv.

Maria Fleischmann, Hilde Sänger, Maja Flörchinger (Hammer), Hilde Hoffmann und die meisten Frauen von Elferratsmitgliedern wurden unterstützt von Ludwig Hagenbuch, der über den ganzen Krieg die SKG-Kasse führte, und von Otto Heß - die Firma Heß sorgte für Kordel, Papier und andere notwendige Utensilien.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Seit Jahresbeginn 1943 war es nicht mehr möglich, kleine Gaben aus der Heimat an die Fronten zu schicken. In regelmäßigen Abständen gingen dann aber Feldpost-Briefe an die SKG-Freunde. Mitte Januar 1945 im 28. und letzten Rundbrief hielt Fleischmann, der als Backmeister und Feldbäckerei-Lehrer meist in München, zuletzt quer durch die Lande seinen Kriegsdienst leistete, eine gewisse Rückschau - ohne zu ahnen, daß es eine solche war: "... es ist immer etwas Eigenartiges, wie unser Rundbrief anspricht. Einerseits weckt er alte Erinnerungen, andererseits bringt er uns immer die Lebenszeichen von unserem feldgrauen SKG-Kreis - leider aber auch Nachrichten, daß so mancher junge Freund sein Leben opfern mußte."

Gab es noch in den ersten Kriegsjahren einige Zusammenkünfte im kleinen Mitgliederkreis und auch einige bunte Abende selbst im Stadtsaal - vor allem mit Josef Offenbach, dem Mannheimer und später Münchener Schauspieler, und einmal mit der Speyerer Nachwuchs-Filmschauspielerin Gabi Reismüller, Tochter des früheren Direktors der Landesbibliothek, so waren bald auch diese unterhaltsamen Abwechslungen für die Speyerer zum Erliegen gekommen.

Am 11. November 1945 treffen sich die Speyerer Fasnachter zum erstenmal nach dem Zusammenbruch. Die SKG fängt wieder an...

Bereits 1946 gibt es eine „Miniatur-Fasnacht“ im Weißen Tor - Nahrungsmittel und Heizmaterial gelten als Eintrittspreise. Bei diesem Rosenmontagstreffen werden 800 Mark für die Kriegsgefangenen gesammelt.

3500 Brezeln werden beim Sommertagszug an die Kinder verteilt und 3000 Mark für die Kinderspeisung gesammelt.

Das Jubiläum „650 Jahre Speyerer Fasnacht“ wird mit vielen Veranstaltungen gefeiert, zu denen auch Kriegsgefangene eingeladen sind - sie marschieren samt ihren Bewachern an. Nur Richard Mandlers „Narrenspiel“, das die Geschichte der Speyerer Fasnacht szenisch darstellt, wird von einer schlecht gelaunten französischen Militärregierung verboten und findet nie wieder statt.

1950 beginnen die Heilstättensitzungen als Therapie des Humors - bis in die Mitte der sechziger Jahre gastieren die SKG-Narren in den LVA-Sanatorien Ramberg, Bad Dürkheim und Edenkoben.

1951 übernimmt Hans Gruber das Amt des Sitzungspräsidenten als Nachfolger von Willy Fleischmann.

 

 

1952 findet der vorerst letzte Fasnachtsumzug in Speyer statt - später gibt es nur noch Verhaftungswellen und die Abholung der Prinzessin. Am 5. August wird Fotomeister Fritz Hermann zum zweiten Präsidenten der SKG gewählt, Georg Wilhelm Fleischmann verlässt die SKG und gründet ein eigenes Gardekorps (das heutige Gardekorps Rot-Weiß). Die SKG-Garde fällt auseinander.

 

Während die Präsidiumsmitglieder der SKG die Montagabende auf Sitzungen verbringen, gründen ihre Frauen 1953 als Gegenveranstaltung ihren eigenen Club, den Montags-Club (MC), in dem nur Frauen Mitglieder werden konnten. Die ersten Damensitzungen finden unter der Leitung von Margot Gruber im Saal der Alten Schwartz'schen Brauererei statt, der indessen bald zu klein wurde. Männer sind an diesen Abenden unerwünscht sowohl als Akteure auf der Bühne als auch im Zuschauersaal.

1955 bringen Fasnachtsitzungen in Berghausen, Hassloch, Altlußheim und Otterstadt, jeweils mit den örtlichen Vereinen durchgeführt, der Speyerer Fasnacht viele neue Freunde.

1956 stellt Schatzmeister Carl Isselhard erneut eine Mädchen-Garde auf die schlanken Beine. Die hohen Hüte - allerdings in Weiß - blieben erhalten, die rot-weißen Uniformen wurden selbst geschneidert. Aber die Mädchen wurden unvermeidlicherweise junge Damen und eine um die andere weggeheiratet. Auch ihre Kommandeuse Evi Hoffmann, die Ex-Prinzessin von 1954.

1957 fährt die Speyerer Narrenschar mit komplettem Aufgebot nach Neustadt/Weinstrasse und gestaltet eine fünfstündige Prunksitzung im Saalbau für die Belegschaft der pfälzischen Bezirksregierung. Motto: „Die alte Regierungsstadt grüßt die neue.“

Beim Brezelfest-Umzug 1958 wird der SKG-Festwagen mit dem Motto „wir sind nur winters da“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Aus Spenden und Klingelbeuteleinsätzen bei allen ihren Veranstaltungen kann die SKG dem Renovierungsfond des Altpörtels 843,99 Mark übergeben.

Das neue Jahrzehnt beginnt mit einigen Neuerungen: am 29. April 1960 wird Werner Hill zum dritten Präsidenten der SKG gewählt, ein Amt, das er dreißig Jahre lang ausüben wird. Der SKG-Elferrat präsentiert sich erstmals im dezent weinroten Smoking, die roten Ratsherrenmäntel der Gründerzeit werden abgelegt.

 

Nachwuchs für die Garde kommt, völlig neu eingekleidet mit schmucken Tuchuniformen, vom Turnverein aus Hanhofen. Ballettmeisterin Karin Wagner studiert die Garde- und Schautänze ein, die SKG-Garde hat sich seitdem immer wieder aufgefrischt. Unter der Leitung von Brigitte Schardt und später Christel Dümig begeistert sie mit vielen Tänzen.

Am Fasnachtsdienstag 1960 spielt eine närrische SKG-Elf gegen die (ebenso närrischen) Stadträte auf dem TSV-Platz.

Die erste Nummer des SKG-Kuriers erscheint, ein Mitteilungs- und Intelligenzblatt für die Freunde der Speyerer Fasnacht, das bis heute mehr oder weniger regelmäßig an die Mitglieder verschickt wird.

1963 ziehen die Narren in die neue Stadthalle ein mit einem Jubiläumsball „666 Jahre Speyerer Fasnacht“ mit dem Südfunk-Tanzorchester Erwin Lehn und den Solisten Horst Jankowski, Ernst Mosch, Bernd Rabe und Conny Jackel, dem Tanzorchester Schölles im Kleinen Saal, mit Auftritten der Speyerer Trapezkünstlerin Freya Jossé, dem Meistertanzpaar Krüger/Thiele und Kurt Kotterer als Kurfürst Friedrich von der Pfalz.

Hans Gruber wird zum ersten und bisher einzigen Speyerer Fasnachtsprinzen gekürt. In einer eigens gebauten Staatskarosse und der Heidelberger Kinderkapelle führte er 1200 kleine Narren in einem großen Kindermaskenzug durch die Stadt zum Kindermaskenfest in der Stadthalle.

1964 ziehen die Narren ins Manöver - im schwäbischen Münsingen bringen sie 800 Soldaten in ihrer Abgeschiedenheit fasnachtlichen Frohsinn.

Am 21. Januar 1966 bleiben die Herren erstmals ganz unter sich: Im Weinmuseum findet auf Anregung von Otto Heß die erste Herrensitzung der SKG statt, unter dem Motto „Nix für ungut...". Das war an die Damen gerichtet, mit der Bitte um die Freigabe des männlichen Geschlechts - Frauen haben hier keinen Zutritt. Jeder Besucher erhält ein Weinglas mit dem jeweiligen Jahresmotto der SKG.

Noch einmal wird versucht, eine Fasnachtszeitung ins Leben zu rufen. „Der Hasepiehler“ erscheint am 11. Februar 1966 in 5555 Exemplaren für 111111 Leser.

1967 sitzt eine Zirkusprinzessin auf dem Fasnachtsthron Monika I. (Holzmüller) war mit ihrer Elefantendame gleichen Namens in 26 Ländern Star der Manegen, machte in der Fasnacht von Basel bis Mainz Furore. ("Nur Dickhäuter können da nicht hingerissen sein..."). Die Elefantendame begleitete die Prinzessin sogar zur Sitzung in der Stadthalle, nachdem die Bühne von einer Kompanie Speyerer Pioniere unter Hauptmann August Holzki unterbaut wurde - und hielt!

1968 bescheren die Jumelage und 11 Jahre Städtepartnerschaft der SKG eine Prinzessin aus der Partnerstadt Chartres.

 

 

 

 

 

 

Am 1. Februar rollt ein SKG-Konvoi mit einem guten Dutzend närrischer Würdenträger auf der Autobahn zur Europabrücke zwischen Straßburg und Kehl, um die erste Französin auf dem Thron abzuholen "Notre Tollité Michèle I.” (Maurel) regiert mit französischem Charme ihr närrisch' Volk. Das Jahresmotto heißt natürlich "Fasnacht ohne Grenzen/Carneval sans frontieres".

Im Januar 1947 wird die erste Nachkriegsprinzessin gewählt: Marlies I. aus dem Hause Pfeiffer.

1967 sitzt eine Zirkusprinzessin auf dem Fasnachtsthron Monika I. (Holzmüller)

1963 Hans Gruber wird zum ersten und bisher einzigen Speyerer Fasnachtsprinzen gekürt

Werner Hill
Präsident 1960 - 1990