...und ein Talent zwischen Tradition und Tanzsport

 

 

Mit halben Sachen gibt er sich nicht ab - Charly Gast ist ein Mann, der weiß was er will und dieses konsequent durchführt. Nicht immer einfach im Umgang, aber mit unbestrittenen Führungsqualitäten. Mit vielseitigen Interessen und vielen zukunftsweisenden Ideen - "etwas aufbauen" ist, geprägt vom väterlichen Baugeschäft, seine Leidenschaft, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Und mit seiner Begeisterungsfähigkeit und der eigenen Einsatzbereitschaft versteht er es, andere für seine Ziele zu motivieren - stets zum Wohle seines Vereins.

Geboren 1951 als echter "Schbeiermer Bu" hat er nicht nur ein Herz für seine Heimatstadt, sondern auch für die Speyerer Fasnacht. Zur SKG kam er 1976; zwei Jahre später trat er als willkommene Verstärkung der Deko-Abteilung bei. Vom Bühnenbild zur Bühne war es nur ein kleiner Schritt – als Tänzer im Männerballett und zusammen mit dem damaligen Sitzungspräsidenten Helmut Kauf als Gesangs-Duo "Speyerer Brezelbuben“ – als „Brezelbu“ steigt er seit einigen Jahren nun auch allein in die Bütt`.

Doch die Fasnacht findet nicht nur auf der Bühne statt. Viele notwendige Arbeiten geschehen außerhalb des Rampenlichts und ohne Publikum. Charly Gast hat sich nie gescheut, auch hier mit anzupacken und war fähig, in Krisensituationen schnelle Lösungen zu finden. Folgerichtig wurde er 1985 in den Elferrat gewählt, zwei Jahre später war er bereits Vizepräsident. Schon früh beweis er sein Organisationstalent bei der Durchführung von Veranstaltungen, stellte erstmalig einen Rosenmontagsball mit Eigenbewirtschaftung auf die Beine.


 

Der damalige Präsident Werner Hill merkte sehr bald, was er an ihm hatte, nämlich eine zuverlässige Hilfe in allen Bereichen des Vereinslebens. Und einen geeigneten Nachfolger, an den er sein Amt mit ruhigem Gewissen weiter geben konnte... 1990 übernahm Charly Gast das Steuer bei der SKG "mit dem Vorzug, als erster Speyerer SKG-Präsident ganz ohne Krach ins Amt gekommen zu sein", wie die Rheinpfalz berichtete.

Auch als Präsident ist sich Charly Gast nicht zu schade, überall mit anzupacken. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie er die Begrüßungsrede vor voll besetzten Saal hält, zieht er nach der Veranstaltung das Jackett aus und hilft beim Aufräumen. Und er hat ungewöhnlicher Ideen, wie z.B. 1993, als er inspiriert von Glasnost und Perestroika eine russische Prinzessin auf Speyers Fasnachtsthron holte, was auch außerhalb Speyers viel Beachtung in den Medien fand. Irina I. hielt sogar Einzug ins Bonner Bundeskanzleramt.

Bereits 1987 wurde Charly Gast als damals jüngstes Präsidiumsmitglied mit der Aufsicht über die SKG-Garde betraut - eine Entscheidung, die den Weg vom karnevalistischen Tanz zum modernen Tanzsport bereitete. Charly Gast erkannte bald den großen Wert einer fundierten sportlichen Ausbildung für Tänzerinnen und Trainerinnen und die Möglichkei,  mit den SKG-Garden aktiven Turniersport zu betreiben. Gleich nach Übernahme des Präsidentenamts trennte der sportbegeisterte Präsident, der selbst Autorennen fuhr und als Speyerer Berichterstatter für den Motorsport tätig war, die Garde von der SKG und gründete einen eigenen Tanzsportverein - der Speyerer Tanzsport-Club 1990 e.V. (STSC) war geboren. Die Leitung des jungen Vereins im Geschäfts- und Sportbereich übernahm er selbst, unterstützt von vielen Mitgliedern der SKG, die er von seiner Meinung überzeugen konnte und die ihrerseits zu den Gründungsmitgliedern des STSC gehören... Aus der SKG-Garde war eine Sportmannschaft geworden.

Im Deutschen Verband für Garde- und Schautanzsport (DVG) gehörte Charly Gast zu den Männern der ersten Stunde, war als Mitglied des Gardeausschusses in vielen Dingen prägend für das Regelwerk, das dem Turniertanzbetrieb zugrunde liegt. Der Speyerer Tanzsport-Club 1990 e.V. ist einer der erfolgreichsten rheinland-pfälzische Verein im Gardetanzbereich - sichtbares Zeichen sind die unzähligen Pokale von Ranglistenturnieren, Landesmeisterschaften, Deutschen Meisterschaften und Europameisterschaften in der SKG-Geschäftsstelle. Und die hochklassigen Tänze kommen natürlich auch den Veranstaltungen der SKG zugute.

Und niemals geriet die SKG über den Tanzsport ins Hintertreffen. Charly Gast ist ein zielstrebiger Vertreter der Vereinsinteressen mit Sinn für die große Tradition der SKG, die seit vielen Jahrzehnten Speyerer Fasnacht für Speyerer Bürger macht. Und so ist es mehr als verdient, dass Charly Gast zu den Trägern des Goldenen Löwen gehört - bei soviel Engagement für die Fasnacht ist die höchste närrische Auszeichnung natürlich Ehrensache.

Er hatte noch so viele Pläne, doch es sollte nicht sein: Charly Gast verstarb viel zu früh am Ostermontag 2011 im Alter von 59 Jahren nach schwerer Krankheit.

 

Nachruf von Werner Hill in der Rheinpfalz am 26. April 2011:
 

Ein weithin bekannter Fasnachter und begeisterter Freund des Tanzsports ist tot. Am Ostermontag ist nach langer schwerer Krankheit im 59.Lebensjahr Charly (Karl) Gast gestorben. Vor allem der Speyerer Fasnacht gehörten bis in die letzten Tage seine Engagement und seine Sorge. Noch in der vergangenen Fasnachtssaison hat er alle Veranstaltungen vorbereitet und präsidiert, obwohl seine engeren Freunde  wussten, wie es um seine Gesundheit steht. Charly Gast war seit 1990 Präsident der Speyerer Karnevalsgesellschaft (SKG). Auf sein 22-jähriges Jubiläum im kommenden Jahr  als Vorsitzender des ältesten Speyerer Karnevalvereins, dessen Tradition er sich stets bewusst war, hatte er sich schon gefreut. Er sollte es nicht mehr erleben. 1997 wurde er mit dem höchsten Orden der badisch-pfälzischen Fasnacht, dem „Goldenen Löwen“ ausgezeichnet.

Eben so lang war er Vorsitzender und Trainer des Speyerer Tanzsportclubs 1990, der aus der weiblichen Garde der SKG hervorgegangen war. Hier leistete er vorbildliche Jugendarbeit, die auch im Stadtsportverband mit  Auszeichnungen anerkannt worden war. Seine Formation „Starlights“ errang zahlreiche Turniererfolge und wurde  2001 zur „Mannschaft des Jahres“ gewählt. Gast war zugleich Landes-vorsitzender des rheinland-pfälzischen Garde-Schautanzsportverbandes. In Speyer selbst und auch überörtlich organisierte und verantwortete er zahlreiche Turniere.