...und das aus Lust und Liebe

 

Typisch Fritz Hermann - die Narrenmütze trug er am liebsten (wenn überhaupt) zum Arbeitskittel. Ordensgeschmückt im großen Ornat des Präsidenten auf dem Hochsitz des Elferrates hat ihn keiner gesehen. In den acht Jahren seines SKG-Präsidentenamtes legte er nie auf Würden und Orden Wert, ordentliche Orden - wie den Goldenen Löwen oder Ehrungen wie den Speyerer Till mußte man ihm aufschwatzen wie sauer Bier. Richtig lustig wurde er erst am Aschermittwoch, wenn sein meist sarkastisch-kritisches Aschermittwochsprotokoll geboren war.

Fritz Hermann war Fotomeister aus Lust und Liebe - mit den gleichen Eigenschaften Narr, Fasnachter, ja mehr: unerbittlicher Hüter der "Schbeiermer Fasnacht", frei von bezahlten Humoristen - die hatte er auf dem Kicker - und von dem Blimbaborium, das nach seiner Ansicht gar nichts mit der Fasnacht zu tun hat. Wenn die andern über Sitzungsprogrammen brüteten, zog er sich in die Küche zurück und las lieber die Zeitung. Fasnacht braucht kein Programm - die macht man eben ...

Küche und Dunkelkammer waren seine Schmollwinkel, wenn ihm etwas zum närrischen Himmel stank. Oder er dichtete - dort, wo auch der Kaiser zu Fuß hingeht, kamen ihm die besten Gedanken. Auf der Bühne stand er am liebsten als Fotomeister oder als Büttenredner - wie 1964 als "Dohl-Grott" (städtischer Kanalarbeiter). Er war ein vorzüglicher Büttenredner, tiefsinnig und hintergründig. Man mußte seinen Humor verstehen. Ungezählt die Büttenreden, die er andern machte. Er war gerne ein Produzent, der sich im Hintergrund hielt.

Und wenn dann seine SKG mit großem Elferrat und Narrhallamarsch Einzug hielt, legte er die Narrenmütze auf den Tisch weil er ja die Brille auf die Stirn schieben mußte und griff zum "Gescherr", sprich Fotoapparat. Viele Fotos aus den SKG-Archiven wären sonst nie entstanden. Er war ein Narr, ein Speyerer Original sogar. Er schaut sicher jetzt vom Wolkenthron auf uns herab. Aber wir werden es ihm nie richtig machen können ...