...und ein streitbarer Geist - dadurch ein Glücksfall für die SKG


 Er kam zur Fasnacht wie die Jungfrau zum Kind. Der 1957 zwecks Berichterstattung bei der SKG-Generalversammlung anwesende junge Journalist wurde völlig unerwartet (noch als Nichtmitglied) zum Vizepräsidenten gewählt. Drei Jahre später, nach heftigem Streit in der Führungsetage, wurde er der 3. Präsident der SKG. Dies war, wie jeder der sich ein wenig in der Fasnacht auskennt weiß, normal, gehören doch fröhliche Fasnacht und kräftiger Krach zusammen. Schließlich ist "Fasnacht machen" eine ernste Sache. Er sollte es drei Jahrzehnte!! bleiben. Eine lange Amtszeit wie sie der bundesdeutsche Karneval nur selten kennt. Um so erstaunlicher, da Werner Hill in all den Jahren seiner Präsidentschaft keiner fasnachtlichen Streitbarkeit aus dem Weg ging. Und Werner Hill war ein Glücksfall für die SKG. Sein wichtigstes und erfolgreiches Bestreben war den SKG-Grundsatz hochzuhalten, nämlich: Speyerer Fasnacht von ehrenamtlichen Speyerern für Speyer zu gestalten. Für ihn war Fasnacht zunächst Brauchtumspflege.

"Ich sehe die Aufgabe einer Karnevalgesellschaft, die sich Speyerer Karnevalgesellschaft nennt vor allem darin, auf närrische Weise das Speyerer Geschehen darzustellen." Drei Jahrzehnte lang vertrat er dieses Konzept mit Erfolg und versuchte jeden Kompromiß zu vermeiden, der von diesem Weg wegführte. Daß dies nicht ohne Auseinandersetzungen mit "Andersgläubigen" vonstatten ging war selbstverständlich. Er selbst: "Ich habe mich nie darum bemüht, ein bequemer Präsident zu sein". Seine Kritikfähigkeit, seine Kampfbereitschaft für eine als gut erkannte Sache, die Neugierde auf alle Veränderungen und eine aus der Erfahrung resultierende Skepsis gegenüber jeglichem Überschwang, half ihm manche Klippe zu umschiffen und das Narrenschiff auf Kurs zu halten. So wie er sich für seine Ziele zum Wohle der SKG eingesetzt hat, bot er oftmals Angriffsfläche. Doch keine Auseinandersetzung scheuend, hat er viel auf den Weg gebracht.

Doch nicht nur in der Vereinsführung war er Spitze. Der 1925 bei Kaiserslautern im Zeichen des Löwen geborene und in Grünstadt aufgewachsene vierfache Familienvater erfand die Person des "Spirus Serpentinus". Kaum einer hat jemals Kommunalpolitik treffender aufs Korn genommen, als dieser Römer in der Bütt. In jedem Jahr gehörten die Auftritte Werner Hills, der in Mainz Geschichte und Germanistik studierte, zu den absoluten Highlights der Speyerer Fasnacht. Hätte er, was ja seiner Überzeugung widersprach, seinen "Römer" auch außerhalb Speyers zum Besten gegeben, er wäre auf einer Stufe gestanden mit den bekannten professionellen "Büttenstars" aus den karnevalistischen Hochburgen Mainz etc.

Auch überregional übernahm Werner Hill Verantwortung. Bereits 1960 wurde er Beisitzer im Präsidium des BDK-Regionalverbandes "Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine". Von 1978 bis zum heutigen Tag ist er Pressereferent des gleichen Verbandes. Den "Goldenen Löwen", die höchste Auszeichnung der Badisch-Pfälzischen Narren erhielt er 1971. 1989 übernahm er das Amt des Archivars für das "Haus der Badisch-Pfälzischen Fasnacht", das Museum des Regionalverbandes im Wartturm zu Speyer und wurde Mitglied des Stiftungsrates. Hier schließt sich der Kreis, war doch der 1. Präsident der SKG, Georg Wilhelm Fleischmann, Gründer dieses Verbandes.

Auch seine außergewöhnlichen journalistischen Fähigkeiten stellte er in den Dienst der Fasnacht. 1979 schrieb er erstmals über die Geschichte der Fasnacht im Bereich seines Regionalverbandes und brachte ein reich illustriertes Buch zur Auflage. 1998 erschien sein zweites Buch, das er hauptsächlich den angeschlossenen Vereinen widmete. Anläßlich des 50-jährigen Jubiläums der SKG verfasste er 1987 ein Buch über die Geschichte der Speyerer Fasnacht. Dabei konnte er sich auf die früheren Recherchen des Dr. Richard Mandler stützen. Seine hohe gesellschaftliche Anerkennung erfuhr er 1979 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Band.

Als Werner Hill 1990 die Zeit gekommen sah, sein SKG-Amt in jüngere Hände zu legen, geschah dies wohlüberlegt und gut vorbereitet. Erstmals fand ein Präsidentenwechsel ohne Getöse statt. Hill hatte sich einen Nachfolger ausgesucht und ihn behutsam auf das Amt vorbereitet, einen Mann, bei dem er sicher sein konnte, daß dieser neue Impulse einbringen würde, ohne die Traditionen der SKG zu vernachlässigen. Er übergab sein Amt mit der Erkenntnis: "Nach so langer Zeit soll man aufhören, um nicht der Versuchung zu erliegen, die erforderliche Kreativität durch Routine zu ersetzen".